Am vergangenen Sonntag, den 20. November 2016, um genau 00:45 Uhr (UTC), startete die NASA eine Rakete auf der "Cape Canaveral Air Force Station". An Bord war ein neuartiger Wettersatellit ("GOES-R"), von dem sich die amerikanische Behörde fĂŒr Wetter und Ozeanografie nicht weniger als eine "Revolutionierung der Wettervorhersage" verspricht. Auch die europĂ€ischen Wetterdienste planen den Start neuer Wettersatelliten. Der Zeitplan von EUMETSAT, der europĂ€ische Organisation fĂŒr die Nutzung meteorologischer Satelliten, sieht vor, die neuen Satelliten der nunmehr dritten Generation ("MTG") im Zeitfenster zwischen 2020 und 2030 in die Erdumlaufbahn zu bringen.
FĂŒr die Programme zur Entwicklung neuer Wettersatelliten werden viele Millionen Euro ausgegeben. Das klingt nach ziemlich viel "Schotter". Aber im Hinblick auf das, was die Satelliten alleine fĂŒr die Wettervorhersage leisten können, ist das sicherlich gut angelegtes Geld.
Damit eine Wettervorhersage funktioniert, bedarf es zunĂ€chst einer möglichst genauen Analyse des "Ist-Zustandes" der AtmosphĂ€re. Auf dem Land liefern Wetterstationen mit einer mehr oder weniger groĂen Abdeckung einen wesentlichen Teil der notwendigen Daten. Auf den Ozeanen sieht das schon etwas anders aus. Dort erfassen z. B. Bojen, Schiffe und Flugzeuge zwar auch meteorologische Daten, allerdings mit einer in hohem MaĂe unzureichenden Abdeckung. Daraus resultieren gröĂere Fehler in der Analyse des Ist-Zustands und somit beispielsweise auch EinbuĂen in der QualitĂ€t der computergestĂŒtzten Wetterprognose. Dort, wo zu wenige oder gar fehlende Messungen den Meteorologen und die Wettermodelle "blind" machen wĂŒrden, springen die Wettersatelliten in die Bresche.
GrundsĂ€tzlich unterscheidet man zwei Sorten von Satelliten: die GeostationĂ€ren und Polarumlaufenden (siehe dazu den Eintrag "Wettersatelliten" im DWD-Lexikon: www.dwd.de/DE/service/lexikon/lexikon_node.html). Die geostationĂ€ren Wettersatelliten (wie z. B. der neue GOES-R) blicken vom Weltraum aus auf einen bestimmten, immer gleichen Bereich der Erde. Dort beobachten sie physikalische und chemische VorgĂ€nge in der AtmosphĂ€re und im Ozean - und das quasi flĂ€chendeckend und kontinuierlich. Die zeitliche und rĂ€umliche Auflösung ist dabei durch ihre Instrumente vorgegebenen. Dabei sehen sie nicht nur das fĂŒr das menschliche Auge sichtbare Licht, sondern auch andere Bereiche des elektromagnetischen Spektrums wie beispielsweise den Infrarot- und Ultraviolett-Bereich. Damit werden z. B. Wolken auch bei Nacht sichtbar, wenn sie nicht durch die Sonne angestrahlt werden. DarĂŒber hinaus lassen sich aber auch weitaus mehr Informationen ableiten, wie beispielsweise ĂŒber die chemische Zusammensetzung der Luft in verschiedenen Höhen (Wasserdampf, Spurengase, Asche, Staub etc.) oder ĂŒber die Temperaturen von Luft und Wasser.
Wenn neue Wettersatelliten gestartet werden, sind sie selbstverstĂ€ndlich mit der neusten Technik bestĂŒckt. Die Satelliten werden mit immer mehr und immer genauer messenden Instrumenten ausgestattet, die ein immer detaillierteres Bild von der AtmosphĂ€re und den Ozeanen liefern. Dadurch kann der Fehler in der Bestimmung des Ist-Zustandes reduziert und die QualitĂ€t der Wettervorhersagen verbessert werden.
Wettersatelliten sind also mehr als nur eine schlichte ErgÀnzung der konventionellen Beobachtungsmethoden. Sie sind nicht weniger als die "Superaugen" der Meteorologen, ohne die eine Wettervorhersage mit der heutzutage gewohnten QualitÀt nicht möglich wÀre.
Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 22.11.2016
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