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27. Juli 2015 | Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann

ZELJKOs Reise und seine Hinterlassenschaften

Das vergangene Wochenende wird dank Sturmtief ZELJKO wohl so manchen in Erinnerung bleiben: (Hobby-)Meteorologen, weil ein solcher Sturm im Sommer sehr ungewöhnlich ist und nur etwa alle 10-20 Jahre vorkommt - und auch allen Betroffenen, die den Sturm am eigenen Leib zu spüren bekommen haben und mit den Auswirkungen vielleicht noch im Nachhinein kämpfen müssen.

Die Reise von ZELJKO begann mit seiner Geburt am vergangenen Dienstag
vor Neufundland. Von dort begab er sich über den Atlantik Richtung
Europa, erreichte am Freitag die Bretagne, zog durch den Ärmelkanal
und stieß am Samstagmittag schließlich auf die niederländische Küste.


Bereits in der Nacht zum Samstag machte er sich in Deutschland mit
teils kräftigen Schauern und Gewittern bemerkbar, die örtlich erste
Sturmböen brachten (so wurde kurz nach Mitternacht beispielsweise
eine schwere Sturmböe von 98, 3 km/h am Frankfurter Flughafen
registriert).

Aber ZELJKOs Geschichte war damit noch nicht geschrieben, er holte
noch einmal tief Luft und bescherte uns ein Sturmfeld, das sich am
Samstag von Westen in die Mitte und den Norden, und schließlich auch
in den Nordosten ausbreitete.

Am heftigsten war ZELJKO an der Nordseeküste spürbar: Spiekeroog
meldete eine orkanartige Böe von 108 km/h (Bft 11), Büsum 101 km/h,
Norderney 99 km/h, Bremerhaven 98 km/h und auch in St. Peter-Ording
konnten sich die Kururlauber bei 96 km/h (alles Bft 10) einen "etwas"
kräftigeren Wind als sonst durch die Haare pusten lassen.

Aber die Ostseeküste sollte nicht verschont bleiben: Am Nachmittag
zuckten zahlreiche Blitze über den Himmel, wobei die zugehörigen
Gewitter nicht nur die Regentonnen füllten, sondern in Travemünde
auch mit einer schweren Sturmböe von 97 km/h (Bft 10) einhergingen.

Jetzt mag manch Leser vielleicht denken: "Ach, eine steife Brise sind
die Norddeutschen doch eh gewohnt - Sturm ist erst, wenn die Schafe
auf dem Deich keine Locken mehr haben...", ABER: ZELJKO zeigte auch im
Landesinneren, dass er sich von anderen Tiefs zu dieser Jahreszeit
abhebt.

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In Münster (Westfalen) sorgten seine schweren Sturmböen (die
Messstation meldete 94 km/h) für rund 100 Einsätze der Feuerwehr.
Aber auch in anderen Städten Nordrhein-Westfalens und
Südniedersachsens tobte der Sturm, erreichte Böen von 90 km/h (so
beispielsweise in Göttingen, Gütersloh, Hameln, Lügde-Paenbruch,
Rheine-Bentlage oder Bückeburg - siehe auch Tabelle der maximalen
Windgeschwindigkeiten) und sorgte damit
für zahlreiche abgeknickte Äste und entwurzelte Bäume.

Den Vogel abgeschossen hat allerdings der Brocken: Die Messstation
des ohnehin sehr exponierten und windanfälligen Berges im Harz
lieferte einen Maximalwert von sage und schreibe 159 km/h. Wenn zu
diesem Zeitpunkt dort Schafe verweilt hätten, wären diese
anschließend mit Sicherheit lockenlos gewesen.

Während ZELJKO bereits weiter Richtung Schweden gezogen und seine
Geschichte bei uns damit beendet ist, steht schon ein neues Tief in
den Startlöchern: ANDREAS versucht am heutigen Montag und morgigen
Dienstag in die Fußstapfen seines Vorgängers zu treten, was jedoch
nur bedingt gelingt. So sind zwar insbesondere bei Durchzug von
Schauern und Gewittern sowie auf den Bergen Sturmböen möglich, ein so
verbreitetes Sturmfeld wie ZELJKO hat ANDREAS allerdings nicht zu
bieten.


© Deutscher Wetterdienst

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