15:59 MESZ | 17.04.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
25. Juli 2015 |

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind

ZELJKO - ein slawischer Vorname mit der Bedeutung "der Erwünschte". Ob unser derzeitiges Sturmtief mit demselben Namen wirklich erwünscht ist, soll an dieser Stelle mal offen bleiben.

In jedem Fall ist ZELJKO ein durchaus ungewöhnliches Wetterereignis, denn stürmische Zeiten verbinden wir eher mit den Jahreszeiten Herbst und Winter. Aber wieso eigentlich?

Die erwartete Zugbahn von Tief Zeljko und sein zugehöriges Sturmfeld. (Bild: DWD)


Im Herbst beginnt sich die Luft in polaren Breiten durch die
nachlassende Sonneneinstrahlung abzukühlen, während das Mittelmeer
noch eine Temperatur von knapp 20 °C hat. Dieser große
Temperaturunterschied zwischen den kalten polaren und den gemäßigt
warmen subtropischen Luftmassen verursacht Druckdifferenzen: Die
warme Luft steigt auf, sodass am Boden der Luftdruck sinkt und in
höheren Luftschichten steigt. In den Polarregionen verhält es sich
andersherum, dort sinkt die kalte, schwere Luft ab und erzeugt am
Boden ein Hochdruckgebiet und in der Höhe ein Tiefdruckgebiet.

Da die Natur stets versucht, Unterschiede auszugleichen und ein
Gleichgewicht herzustellen, findet eine Ausgleichsbewegung statt:
Wind weht vom hohen zum tiefen Luftdruck, und zwar umso stärker, je
größer die Druckunterschiede zwischen den Luftmassen sind.

Die beschriebenen Temperatur- und Druckunterschiede sind im Sommer
nicht so groß wie im Herbst, Winter oder Frühjahr, sodass
Sommerstürme im Allgemeinen nicht so heftig ausfallen wie Stürme in
den anderen Jahreszeiten.

Auch ZELJKO ist zwar nicht so stark wie so mancher Wintersturm (sein
erwarteter Kerndruck beträgt heute Mittag 995 hPa), dennoch kann er
große Schäden anrichten, da die belaubten Bäume dem Wind eine
deutlich größere Angriffsfläche bieten als im Winter (weiteres zu
ZELJKO siehe auch Thema des Tages vom gestrigen Freitag).

Für Spaziergänger im Wald, Kinder im Zeltlager und Besucher von
Freiluftveranstaltungen - und im Prinzip allen, die sich im Freien
aufhalten - ist also am heutigen Samstag größte Vorsicht geboten.

Der letzte heftige Sommersturm namens WILLI fegte am 7. Juli 2001
über Deutschland hinweg. Alle 10-20 Jahre können also in der warmen
Jahreszeit mal nicht Gewitter die Hauptrolle in der Wetterküche
spielen, sondern vielmehr Stürme.

Bleibt uns zu hoffen, dass "das himmlische Kind" es gut mit uns
meint und ZELJKO nicht allzu große Schäden anrichtet...

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.07.2015

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Bild: DWD

Themenarchiv:

17.04. - Der April auf Achterbahnfahrt!

16.04. - Geschichte der Meteorologie − Teil 3: Meteorologie der Spätantike sowie im europäischen Frühmittelalter

15.04. - Zwischen Hoch und Tief im meteorologischen Niemandsland

14.04. - Hinweise auf ungewöhnlich starken El-Niño im Laufe des Jahres

13.04. - Aktions- und Ehrentage mit meteorologischem Bezug

12.04. - Eine Rückschau und eine Vorschau - wie bewölkt ist es über Deutschland

11.04. - Findet die Trockenheit ihr Ende?

10.04. - Von Türmchen, Fasern und Linsen

09.04. - Tiefs "Saskia" und "Tamina" leiten Wetterumschwung ein

08.04. - Hana-Matsuri

07.04. - Einheitenchaos - Teil 1: Temperatur

06.04. - Start in die neue Woche: Freundlich und im Prinzip störungsfrei

05.04. - Geschichte der Meteorologie − Teil 2: Meteorologie im letzten Jahrtausend vor der christlichen Zeitenwende

04.04. - Warum ist der Himmel blau? – Und was hat die Luftfeuchtigkeit damit zu tun?

03.04. - Geschichte der Meteorologie − Teil 1: Von den Anfängen zur Meteorologie in den verschiedenen Hochkulturen des Altertums

02.04. - Deutschlandwetter im März 2026

01.04. - DWD trifft auf Filmlegende!

31.03. - Polynjen - besondere Orte in polaren Gebieten

30.03. - Das "Aprilwetter"

29.03. - Blick in die Karwoche

28.03. - Wie weit fortgeschritten ist die Vegetation?

27.03. - Was ist das für ein Theater?!

26.03. - Wie trocken ist es in Deutschland?

25.03. - Genormt bis unters Dach: Die Standardatmosphäre

24.03. - Harry Houdini

23.03. - Auf Bilderbuchfrühling folgt jäher Absturz

22.03. - Die Vegetationsbrandgefahr im Frühjahr

21.03. - Geografie und Topografie

20.03. - Hitzewelle in den USA erreicht vorläufigen Höhepunkt

19.03. - Das Wetter zum Frühlingsanfang