03. Juli 2015 |
Hitzewellen auf der Nordhalbkugel
Über die derzeit auftretende Hitzewelle in Mitteleuropa wurde viel erzählt. Am Samstag schwingt sie sich in Deutschland nun zu einem vorläufigen Höhepunkt auf. Deutschland der Hitze-Hotspot?
Durchaus, jedoch lohnt auch der Blick über den berühmten Tellerrand hinaus. Denn in den vergangenen Wochen suchten gleich mehrere außergewöhnliche Hitzewellen verschiedene Regionen auf der Nordhalbkugel heim. Anstatt müßig weitere Facetten der "hauseigenen" Hitze und deren Auswirkungen zu beleuchten, startet der Autor des heutigen Tagesthemas eine kleine Wetterreise über die nördliche Hemisphäre.

Von Deutschland aus soll es zunächst einmal nach England gehen. Hier
führte die nun in Deutschland angekommene Hitzewelle bereits Mitte
dieser Woche für bemerkenswerte Temperaturen. Am Londoner Flughafen
Heathrow stieg das Quecksilber am vergangenen Mittwoch, den 1. Juli,
auf 36,7 Grad Celsius. So heiß war es im Vereinigten Königreich in
einem Juli noch nie - zumindest nicht seit Beginn der
Wetteraufzeichnungen. Kleine Anekdote am Rande: Das Tennismatch
zwischen Novak Djokovic und Jarkko Nieminen auf dem heiligen Rasen zu
Wimbledon an eben diesem Tag geht als das heißeste in der Geschichte
des Turniers ein. Ein Tag zuvor, also am 30. Juni, konnten in der
spanischen Hauptstadt Madrid mit 39,1 Grad und im ebenfalls
spanischen Toledo mit 40,8 Grad jeweils neue Juni-Stationsrekorde
aufgestellt werden. In Paris wurde am selben Tag mit einer
Höchsttemperatur von 38,9 Grad der Allzeitrekord von 40,4 Grad knapp
verfehlt.
Verlassen wir nun Europa und machen Zwischenstation in Nordamerika.
Auch für die Menschen im Nordwesten der USA und im Westen Kanadas war
in der dritten Juni-Dekade Schwitzen angesagt - und das in einer für
diese Jahreszeit dort sehr ungewöhnlichen Ausprägung. Vor allem in
den Staaten Washington, Idaho, Montana und British Columbia wurden
einige Stationsrekorde hinsichtlich der Höchsttemperatur des Monats
Juni eingestellt oder gebrochen. Ganz besonders heiß war der 28.
Juni. Bei Temperaturen teils über 40 Grad purzelten gleich mehrere
Allzeitrekorde.
Weiter geht es nach Südamerika, nach Kolumbien um genau zu sein. Dort
wurde der Juni-Rekord des Landes binnen einer Woche gleich mehrfach
"pulverisiert". Nachdem die 40,8 Grad von Guaymaral sage und schreibe
42 Jahre Bestand hatte, schickten sich zwischen dem 20. und 27. Juni
erst Agustin Codazzi (40,8 Grad), gefolgt von Valledupar und Urumitia
(41,6 Grad) und letztendlich Urumitia (42,0 Grad) an, diesen zu
übertreffen.
What the hellish heat in Pakistan has been like: http://t.co/c9Ywrh9vdn pic.twitter.com/AL6yUl6TeA
— Mashable (@mashable) 25. Juni 2015
Zu guter Letzt besuchen wir Südasien. Verheerende Hitzewellen
ereigneten sich in den letzten zwei Monaten nämlich in Indien und
Pakistan. Beide trugen sich jeweils in die Liste der 10 tödlichsten
Hitzewellen der Geschichte ein. Demnach sollen tausende Menschen an
Folgen der Hitze ums Leben gekommen sein. In Pakistan wurden an
insgesamt sechs aufeinanderfolgenden Tagen Höchsttemperaturen von 40
Grad und mehr erreicht mit einem Maximum von 44,8 Grad am 20. Juni in
Karachi. In Indien gipfelte die stärkste Hitzewelle seit 1995 im Mai
dieses Jahres in Tageshöchstwerten von bis zu 48 Grad im Schatten
(Khammam, 24. Mai).
Nun wieder zurück nach Deutschland, wo unsere Reise endet. Eine
persönliche Anmerkung des Verfassers sei abschließend noch erlaubt:
Bei allen wilden Spekulationen um mögliche Temperaturrekorde in
Deutschland soll uns die kleine Reise vor Augen führen, dass es
Regionen auf der Welt gibt, die mit noch ganz anderen "Hitzekalibern"
kämpfen müssen.
Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.07.2015
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
© Deutscher Wetterdienst
Bild: DWD
Themenarchiv:
08.02. - Tag des Koffeins
07.02. - Winter, quo vadis?
06.02. - Die Schneehöhe
05.02. - Wetterfrösche in dicken Pullis
04.02. - Glatteis und Schnee: Rückblick und Vorausschau
03.02. - Hochdruck und Tiefdruck im Clinch
02.02. - Deutschlandwetter im Januar 2026
01.02. - Polarwirbel vor möglicher Aufspaltung – droht Mitteleuropa eine Kältephase?
31.01. - Start in den Februar
30.01. - Außergewöhnliche Regenmengen im südöstlichen Afrika und deren Auswirkungen in Mosambik
29.01. - Transporte in der Seeschifffahrt und maritime Lüftungsberatung im Deutschen Wetterdienst
28.01. - Glatt, aber wieso?
27.01. - Wo spielt Wetter überall eine Rolle?
26.01. - LEONIE - Die Schnee- und Eisbringerin!
25.01. - Februar 1956 – Ein Leben wie im Eisschrank
24.01. - Der Winter hat sein Pulver noch nicht verschossen!
23.01. - Schweres Unwetter auf Sizilien – trotz großer Schäden keine Todesopfer
22.01. - Schneemassen im fernen Osten Russlands
21.01. - Inversionen soweit das Auge reicht
20.01. - Eisnebelhalos - ein himmlisches Phänomen auf Erden
19.01. - Sturmtief „Harry“ und seine Auswirkungen im Mittelmeerraum
18.01. - Eine abwechslungsreiche Fahrt durch Deutschland
17.01. - Sonne rauf, Temperaturen runter, Niederschlag Fehlanzeige
16.01. - Jahresvorausschau 2025 - Ein Rückblick
15.01. - Sicher auf dem Eis?!
14.01. - Mildes Zwischenspiel ohne Winterrückkehr
13.01. - Rückblick und Warnmanagement
12.01. - Wie geht es weiter mit dem Glatteis?
11.01. - Überregionale Glatteislage - Winterabschied mit der Brechstange
10.01. - Rückblick auf Sturmtief ELLI




