31. März 2014 | Dipl.-Met. Adrian Leyser
Saharastaub - Nicht nur "Dreck" auf dem Autodach
In dieser Woche wird er wieder in aller Munde sein: der Saharastaub. Vorderseitig eines über dem Ostatlantik weit nach Süden reichenden Tiefdrucksystems werden in einer kräftigen südlichen Strömung Luftmassen aus Nordafrika über den westlichen Mittelmeerraum bis nach West- und Mitteleuropa geführt.
In dieser Luft enthalten sind größere Mengen Saharastaub. Der Höhepunkt des "Staubereignisses" findet voraussichtlich am Donnerstag dieser Woche statt.
Wenn umgangssprachlich von "Saharastaub" gesprochen wird, verstehen
wir Atmosphärenwissenschaftler darunter feinste Mineralstaubpartikel
(wie z. B. Quarz), die in der weltweit größten Wüstenregion, der
Sahara, ihren Ursprung haben und bei besonderen Wetterlagen in hohen
Konzentrationen weite Strecken in der Luft zurücklegen können. In der
Regel lagert sich der verfrachtete Saharastaub nur in geringem Maße
am Erdboden ab. Es sei denn, es kommt zu Niederschlägen. Dann können
größere Mengen an Staub aus der Luft ausgewaschen werden und einen
lästigen, gelb- bis rötlich in Erscheinung tretenden "Dreckfilm" auf
allerlei Oberflächen zur Folge haben (siehe Foto von Ulf Köhler vom
Observatorium Hohenpeißenberg).
Waschanlagenbetreibern ein lukratives Geschäft zu verschaffen, ist
allerdings nicht die einzige "Funktion" des Saharastaubs. Er ist
zusammen mit den anderen in der Luft enthaltenen, feinsten
Schwebeteilchen, die als Aerosol bezeichnet werden, ein wichtiger
Faktor im Wetter- und Klimasystem der Erde. So sind sie
beispielsweise von entscheidender Bedeutung bei der Wolkenbildung.
Ohne sie würden Wolken nicht existieren. Denn damit Wasserdampf zu
kleinen Tröpfchen kondensieren kann und nicht sofort wieder
verdunstet, benötigt er die Hilfestellung dieser Staubteilchen. Des
Weiteren reflektieren und brechen sie Sonnenlicht oder nehmen es auf
und wandeln es in Wärme um. Während Letzteres zu einer Erwärmung
höherer Luftschichten führt, hat die Reflektion zur Folge, dass
weniger Sonnenlicht bis zum Erdboden gelangt und dort eine eher
kühlende Wirkung hat. Allerdings sei an dieser Stelle erwähnt, dass
die feinen Teilchen in der Luft trotzdem noch eine große Unbekannte
für die Wissenschaft im Hinblick auf deren Auswirkungen auf das
Wetter- und Klimasystem (wie z. B. Strahlungs- und Energiebilanz)
sind. Als gesichert gilt dagegen, dass der Saharastaub auch über den
Atlantik bis nach Südamerika gelangen kann und dort den Urwald düngt.
Bis auf die leicht zu beseitigende Verschmutzung sind durch den
Saharastaub in Deutschland keine negativen Auswirkungen zu
befürchten. Viel mehr sorgt er für ein mitunter besonderes
Farbenspiel bei Sonnenauf- und -untergängen. Der Himmel färbt sich
dabei noch stärker rot bis gelb als üblich (siehe Link zur
Zeitrafferaufnahme des großen Saharastaubereignisses am 21. Februar
2004 auf dem Hohenpeißenberg
https://www.youtube.com/watch?v=6Y4N1VY0uHE). Das fotogene
Naturschauspiel könnte für den anstehenden Waschanlagenbesuch
entschädigen.
© Deutscher Wetterdienst
Bild: Ulf Köhler
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