06:31 MESZ | 22.09.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
13. Februar 2014 |

Wintergewitter - wie entstehen sie?

Bereits Anfang des Jahres traten sie auf...die Rede ist von Gewittern. Vielleicht kann sich der eine oder andere noch an das erste in diesem Jahr erinnern.

Eine schöne Gewitterlinie hatte sich am Abend des 3. Januar formiert und zog von Westen her ĂŒber Nordwestdeutschland hinweg


In der Nacht vom 3. auf den 4. Januar 2014 kam es zu einem krÀftigen Wintergewitter in der NordhÀlfte Deutschlands mit Orkanböen bis zu 126 km/h und Hagelkörnern von bis zu 2 cm Durchmesser. Auch in der Nacht zum heutigen Donnerstag traten in SchauernÀhe einzelne Blitze im Rhein-Main-Gebiet auf und einige Personen sind bestimmt dadurch aus dem Bett gefallen.

Manch einer mag sich nun allerdings fragen: "Ich dachte, Gewitter
treten nur im Sommer auf?" oder "Wie kann das sein...am Boden fehlen
doch die warmen Luftmassen?"
Daher widmen wir uns im heutigen Thema des Tages der Entstehung von
Gewittern im Winter.

Grundvoraussetzung fĂŒr die Entstehung von Wintergewittern ist ein
starker vertikaler Temperaturunterschied. Dabei muss, wie fĂŒr jede
Gewitterbildung die AtmosphÀre labil geschichtet sein. Stellen Sie
sich also ein Luftpaket vor, welches wÀrmer als seine Umgebung ist.
Da wÀrmere Luft leichter ist als kÀltere, kann das Luftpaket durch
diesen Temperaturunterschied bis in große Höhen aufsteigen und
Schauerwolken bilden. In unseren Breiten reicht im Winter die
thermische ErwÀrmung des Bodens durch die Sonne bei weitem nicht aus,
so muss gerade dann in großen Höhen der TroposphĂ€re eine sehr kalte
Luftschicht vorhanden sein. Als weitere Zutat muss zudem noch
ausreichend Feuchtigkeit verfĂŒgbar sein.

Das wÀre also die Theorie, aber was bedeutet das in Zahlen? Als
Faustregel kann man einen Temperaturunterschied von rund 30 Grad
zwischen 1500 m (850 hPa) und 5500 m (500 hPa) annehmen (Die
Höhenangaben sind ungefĂ€hre Werte). Wenn fĂŒr den Boden wintertypische
Temperaturen um den Gefrierpunkt angenommen werden, die bei uns
momentan zumindest in der Nacht noch auftreten, so sollte in einer
Höhe von 4 bis 8 km eine ausreichend dicke Luftschicht vorhanden
sein, die ca. minus 35 Grad aufweist. Ist die Luft auch noch
ausreichend feucht, so herrschen in der AtmosphÀre gute Bedingungen
fĂŒr die Entstehung eines Wintergewitters.

Im Winter ist die Nordsee verglichen zum Festland relativ warm und
feucht. Dort kann der starke Temperaturunterschied "leichter"
erreicht werden, sodass diese Wintergewitter hĂ€ufig ĂŒber der Nordsee
und der KĂŒstennĂ€he auftreten.

Wintergewitter entstehen somit nicht so einfach wie im Sommer und
sind seltener. Auch die Blitzentladungen sowie die Lebensdauer fallen
meist wesentlich geringer aus als bei krÀftigen Sommergewittern.
DafĂŒr treten im Winter zusĂ€tzliche PhĂ€nomene auf. So werden
Wintergewitter nicht nur von krÀftigen Regen-, sondern auch von
Graupel- oder auch Schneeschauern begleitet. Je nach StÀrke des
Gewitters und je nach dem wie kalt die Luft ist, ist auch ein
krĂ€ftiges Schneetreiben möglich. Außerdem kann es innerhalb kurzer
Zeit zu einem deutlichen TemperaturrĂŒckgang kommen.

Betrachtet man sich das heutige Wettergeschehen, so lÀsst sich auch
heute Nachmittag und am Abend im Westen und SĂŒden Deutschlands ein
Potential fĂŒr Wintergewitterentstehung erkennen. Die sich zum
Sturmtief entwickelnde kleine Randzyklone TINI II und ihr
Frontensystem ĂŒberqueren Deutschland im Laufe der Nacht zum Freitag
und bringen feuchte Luftmassen mit sich. Dabei kann es vor allem im
SĂŒdwesten und in der Mitte auch einzelne Gewitter mit Graupel geben.
Wir können gespannt sein, wo Blitz und Donner tatsÀchlich auftreten
und ob sich auch Graupel beobachten lÀsst.


M.Sc.-Met. Anna Wieczorek
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.02.2014

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

21.09. - Ruhiger Start in den Herbst

20.09. - Europawetter

19.09. - Westeuropa blockiert erneut

18.09. - Zwischen SpĂ€tsommer und FrĂŒhherbst

17.09. - Weltwetterorganisation: Der globale Wasserkreislauf gerÀt aus den Fugen

16.09. - Sonnenscheinreiches Jahr 2026 – Erste Zwischenbilanz

15.09. - Ungewöhnlich ruhiger tropischer Atlantik!

14.09. - Magdeburger Halbkugeln - Auf der Suche nach dem Nichts

13.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 17: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (c) und internationale meteorologische Konferenzen

12.09. - Wo endet die AtmosphÀre, wo beginnt der Weltraum?

11.09. - Verifikation von Wettermodellen

10.09. - Stark- und Dauerregen von Mittelitalien bis nach Österreich

09.09. - TschĂŒss Hochsommer, hallo SpĂ€tsommer und FrĂŒhherbst

08.09. - Geschichte der Meteorologie – Teil 16: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (b)

07.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 15: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (a)

06.09. - "WeatherNext3" – Wie zuverlĂ€ssig ist ein KI-Modell ohne explizite Physik?

05.09. - Kopfschmerzen durch Wetter

04.09. - Zwischen Sturm und SpÀtsommer

03.09. - Deutschlandwetter im Sommer 2026

02.09. - Deutschlandwetter im August 2026

01.09. - Der Einfluss großer Windparks auf Wetter und Niederschlag

31.08. - Wie wird eigentlich ... gemessen? - Temperatur

30.08. - Kommt die hochsommerliche Hitze zurĂŒck?

29.08. - Hurrikan KATRINA: Heute vor 21 Jahren

28.08. - Göttliche Zeichen am Himmel? – Historische Interpretationen von Halos

27.08. - Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ein Update

26.08. - Marine Hitzewellen

25.08. - Steigende Gewitter- und Unwettergefahr in dieser Woche!

24.08. - SINFONY: Vom aktuellen Wetter zur nahtlosen Vorhersage der nÀchsten Stunden

23.08. - Mögliche Auswirkungen eines starken El-Niño auf Europa?