15:50 MESZ | 08.06.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
31. August 2024 | M.Sc.-Meteorologe Sebastian Schappert

Zweigeteiltes Wetter

Zweigeteiltes Wetter

Datum 31.08.2024

Eine Luftmassengrenze trennt derzeit mäßig-warme Meeresluft im Norden von schwül-heißer Subtropikluft im Süden Deutschlands. Wie gestaltet sich dabei das Wetter und hält die Zweiteilung bis in die neue Woche an?

Wir schreiben heute den 31. August. Damit geht heute der Sommer für uns Meteorologen zu Ende, ab morgen beginnt der Herbst. Dies konnte man auch im gestrigen Thema des Tages (30. August 2024) lesen. Bei "nur" mäßig-warmen 20 Grad an den deutschen Küsten mag das vielleicht zutreffen. Im Süden Deutschlands wird derzeit allerdings vor einer starken Wärmebelastung gewarnt.


Satellitenbild von Deutschland mit rot markiertem Bereich der Luftmassengrenze. Abseits davon meist wolkenloser oder nur gering bewölkter Himmel.


Grund für diese großen Unterschiede innerhalb Deutschlands ist ein Tief mit dem Namen "Wilhelma", das heute mit seinem Kern über Finnland liegt. Davon ausgehend zieht sich eine Luftmassengrenze über Polen und Deutschland hinweg bis nach Nordfrankreich. Da diese im Bereich von Mitteleuropa, also auch über Deutschland, unter den Einfluss des Nordsee-Hochs "Quentin" gelangt, nimmt die Schauer- und Gewittergefahr in ihrem Bereich immer weiter ab. So ist heute lediglich noch mit teils dichteren Wolken zu rechnen, die sich im Tagesverlauf jedoch zunehmend lichten dürften.


Kartenausschnitt zeigt den Nordatlantik und Europa. Dargestellt sind die Linien gleichen Luftdrucks, Hoch- und Tiefzentren sowie deren Namen und die Luftmassengrenzen.



Allerdings ist eben diese Luftmassengrenze für die Wetterzweiteilung verantwortlich. Denn sie trennt kühlere Meeresluft im Norden von schwül-heißer Subtropikluft im Süden. Im Süden muss bei schwülen 33 Grad tagsüber und einer nur geringen nächtlichen Abkühlung sogar mit einer starken Wärmebelastung gerechnet werden. In den Alpen sowie im Bayerwald besteht in dieser energiereichen Luft zudem eine geringe Gewittergefahr. Vereinzelt können sich dort starke Hitzegewitter ausbilden, wenngleich der hohe Luftdruck dies meist zu verhindern weiß. Abseits der Luftmassengrenze zeigt sich ansonsten vielerorts die Sonne.


DWD-Warnkarte zeigt gebietsweise Hitzewarnungen vom Passauer Raum, dem Schwarzwald und dem Bodensee bis ins Saarland.


Und auch am morgigen Sonntag, dem ersten Tag im meteorologischen Herbst, bleibt uns die Luftmassengrenze quer über Deutschland erhalten, wobei sie (und damit auch die heiße Luft) etwas weiter nach Norden vorankommt. "Wetter" in Form von Wolken oder Regen sind dann unter dem Einfluss von Hoch "Quentin" allerdings meist nicht mehr zu finden. Nur das Temperaturgefälle bleibt erhalten: Im Norden und Nordosten ist es weiterhin kühler bei Temperaturen von 20 bis 25 Grad, im Westen und Südwesten steigen die Werte auf bis zu 33 Grad an. Gebietsweise dauert auch die starke Wärmebelastung weiter an.


DWD-Warnkarte mit Hitzewarnungen für den morgigen Sonntag, den 01. September 2024.


Von Südwesten nähert sich jedoch eine Tiefdruckrinne an, der Hochdruckeinfluss schwindet dort allmählich. So bilden sich im Nachmittagsverlauf ausgehend vom dortigen Bergland einzelne Schauer und teils kräftige Gewitter. Örtlich können diese aufgrund der energiereichen Luftmasse insbesondere durch heftigen Starkregen bis in den Unwetterbereich reichen.

Zum Start in die neue Woche löst sich der Ausläufer von "Wilhelma" über Deutschland auf und der Einfluss tiefen Luftdrucks dehnt sich auf die gesamte Westhälfte aus. Wiederholt können sich dort bis Donnerstag teils kräftige Schauer und Gewitter bilden, teilweise ziehen schauerartig verstärkte Regengebiete durch. Dabei muss lokal auch mit Unwettern (insbesondere durch Starkregen) gerechnet werden.


Kartenausschnitt zeigt den Nordatlantik und Europa. Dargestellt sind die Linien gleichen Luftdrucks, Hoch- und Tiefzentren sowie deren Namen und die Luftmassengrenzen.


Die Osthälfte wird hingegen weiterhin von Hoch "Quentin" beeinflusst, das mittlerweile mit seinem Schwerpunkt nach Nordwest-Russland bzw. in die Barentssee gewandert ist. Entsprechend bleibt die Osthälfte Deutschlands von Schauern und Gewittern meist verschont. Stattdessen ist es vielerorts sonnig, heiß und trocken.

Ob sich das Wetter zum kommenden Wochenende auch in der Westhälfte wieder beruhigt, muss abgewartet werden. Derzeit sieht es nach weitgehend heiter bis sonnigem und trockenem Spätsommerwetter aus.



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

08.06. - Die Schafskühle

07.06. - Die Wettervorhersage für den D-Day

06.06. - Eine Nebelnacht im Juni

05.06. - Aprilwetter im Juni

04.06. - Abwechslungsreiches Wetter für einen bunten CSD am Samstag in Dresden

03.06. - Deutschlandwetter im Frühjahr 2026

02.06. - Deutschlandwetter im Mai 2026

01.06. - Tief NESRIN - der erste Dämpfer für den (meteorologischen) Sommerbeginn

29.05. - Trockene und feuchte Luftmassen

28.05. - Erste große Gewitterlage 2026?

27.05. - In 16000 m Höhe

26.05. - Was ist eine „Heat Dome“?

25.05. - Geschichte der Meteorologie – Teil 7: Meteorologie im beginnenden Zeitalter der Aufklärung und Weiterentwicklung der quantitativen Meteorologie

24.05. - Die Sonne nähert sich dem Höchststand, gewinnt täglich an Kraft und bringt somit auch entsprechende Gefahren mit!

23.05. - Des einen Freud…

22.05. - Hoch "Zeno" sorgt für niedrigen Meeresspiegel?!

21.05. - Weichenstellung auf Sommerwetter!

20.05. - Bisher abwechslungsreicher Mai

19.05. - Tag der Diversität

18.05. - Auswirkungen eines El Nino auf die tropische Wirbelsturmaktivität

17.05. - Blick nach vorne - Sommerwetter?

16.05. - Geschichte der Meteorologie – Teil 6: Meteorologie im Zeitalter der Renaissance und Anfänge der quantitativen Meteorologie

15.05. - König Fußball und das Wetter

14.05. - Kühles "Aprilwetter" an den Eisheiligen

13.05. - Wo ist der Polarjet hin?

12.05. - Der Geruch von Regen

11.05. - Turbulente und kühle Maitage

10.05. - Pannekoek in der Kalahari – wenn die Savanne wieder zum Leben erwacht

09.05. - Die Eisheiligen: Nur ein Mythos?

08.05. - Warmes Wochenende, kühler Wochenstart