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18. November 2019 | Dipl.-Met. Marcus Beyer

Festgefahrene Lage

Festgefahrene Lage

Datum 18.11.2019

Derzeit gibt es in Europa zahlreiche Rekordmeldungen in Sachen Wärme, Kälte, aber auch beim Niederschlag und Schneefall. Warum das so ist und was die festgefahrene Großwetterlage damit zu tun hat, darum geht es im heutigen Tagesthema

Tiefer Winter und Kälterekorde in Nordskandinavien. Rekordwärme in Teilen Ost- und Südosteuropas mit über 5 Grad höheren Werten als im langjährigen Mittel. Regenmassen im westlichen und zentralen Mittelmeerraum und heftige Sturmböen sowie mehrfache Überflutung der Lagunenstadt Venedig. Langanhaltende und ergiebige Niederschläge an der Alpensüdseite inklusive Erdrutschen und Überflutungen. Gleichzeitig rekordverdächtige Novemberschneemengen in den Hochlagen und Lawinenabgänge...


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Der November 2019 hat in Europa bisher allerhand zu bieten. Und alle die oben genannten Wetterphänomene hängen miteinander zusammen. Der Grund dafür ist in der Großwetterlage begründet, die in der ersten Novemberhälfte vorherrschend war. Normalerweise wechseln sich Tief- und Hochdruckgebiete in regelmäßigen Abschnitten ab. In den vergangenen 14 Tagen hat sich an der vorherrschenden Großwetterlage hingegen kaum etwas getan. Die Lage der steuernden Hoch- und Tiefdruckgebiete blieb abgesehen von kleineren Schwankungen nahezu stationär. Man spricht in solch einem Fall von einer "persistenten" oder "blockierenden Großwetterlage".

Am anschaulichsten zeigt sich die festgefahrene Situation beim Blick auf die Temperaturanomalien seit Monatsbeginn im Vergleich zu den langjährigen Mittelwerten (siehe Grafik unter dem Thema des Tages, https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2019/11/18.html). Dort fällt zum einen der massive Wärmeüberschuss über Ost- und Südosteuropa auf. Gleichzeitig sieht man unterdurchschnittliche Temperaturverhältnisse in West- und Nordwesteuropa. In die Karte wurde zudem noch die durchschnittliche Lage der Hoch und Tiefdruckgebiete in der ersten Monatshälfte eingezeichnet. Nun muss man noch wissen, dass sich Tiefdruckgebiete entgegen des Uhrzeigersinns drehen. Damit lässt sich erkennen, dass über der Osthälfte von Europa die Grundströmung zumeist eine südliche Komponente hatte, sodass warme Luftmassen aus dem Mittelmeerraum und Nordafrika nordwärts transportiert wurden. Gleichzeitig werden an der Westflanke des Tiefs mit einer eher nördlichen Windkomponente kalte Luftmassen polaren Ursprungs nach Westeuropa geschaufelt.

Um die in den ersten Abschnitten genannten Auswirkungen der stationären Großwetterlage zu verstehen, bedarf es noch zwei weiterer Punkte. Da sind zum einen das noch verhältnismäßig warme Mittelmeer und zum anderen die vornehmlich in West-Ost Richtung verlaufenden Alpen zu nennen. Wenn nun an der Westflanke des Tiefs kalte Luftmassen bis in den Mittelmeerraum vorstoßen, können sich in Kombination mit den warmen Wasserflächen kräftige Tiefdruckgebiete bilden. Diese sorgen nicht nur für intensive Niederschläge, sondern auch für Sturm. Mit der südlichen Strömung wird durch den Sturm auch immer wieder das Wasser des Mittelmeers gegen die Küste gedrückt und das erklärt, neben anderen Gründen, auch die Überflutungen von Venedig.

Die mit viel Feuchtigkeit angereicherte Mittelmeerluft wird durch die südliche Anströmungsrichtung gegen die Alpen gedrückt. Diese wirken wie eine natürlich Barriere an denen die feuchte Luftmasse wie ein nasser Schwamm ausgedrückt wird. Die Folge sind heftige Niederschläge. So sind beispielsweise in Kärnten (im Süden von Österreich) teils über 500 l/qm in 14 Tagen gefallen (Durchschnitt: 140 l/qm im Gesamtmonat). In den Hochlagen fiel der Niederschlag als Schnee. So zum Beispiel im Südtirol mit über 1 m Neuschnee.

Bleibt noch die Frage, warum es in Nordskandinavien so kalt ist. Dort lag man häufig nördlich der stationären Tief-Hoch-Konstellation und damit in einer nordöstlichen Anströmungsrichtung, mit der kalte Luftmassen arktischen Ursprungs angezapft wurden.

Wirft man nochmal einen Blick auf die kommende Woche, so zeigt sich, dass sich an der grundlegenden Wetterlage nichts Wesentliches ändern wird. Westeuropa wird auch weiterhin von einem steuernden Tiefdruckgebiet beeinflusst, während über Osteuropa hoher Luftdruck vorherrscht. Entsprechend wird sich an der grundlegenden Temperaturverteilung nichts Grundlegendes ändern und in einigen Teilen von Südwest- und Südeuropa muss auch wieder mit Meldungen über heftige Starkniederschläge gerechnet werden. In Deutschland liegt man zwischen den Stühlen in einer ruhigen, vielfach herbstlich grauen Grundstimmung mit gelegentlich etwas Regen.



© Deutscher Wetterdienst

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