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05. Mai 2019 | Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann

Schnee im Mai: Spätwinter gibt kurzes Gastspiel

Schnee im Mai: Spätwinter gibt kurzes Gastspiel

Datum 05.05.2019

Statt das Freibad zu stürmen, konnte gestern in den Mittelgebirgen vielmehr der Schlitten aus dem Keller geholt werden. Wie kam es dazu? Eine kleine Nachlese.

Vielleicht erinnert sich der ein oder andere: Am ersten Maiwochenende 2018 war es frühsommerlich warm, vielerorts mit Temperaturen über 20 Grad. Ein Jahr später und so manch einer fühlt sich wahrscheinlich in den Winter versetzt: Am gestrigen Samstag ist (nicht nur) im Mittelgebirgsraum Schnee gefallen, vergangene Nacht hat es dann auch an den Alpen bis in die Täler geschneit.

Um beim morgendlichen Wetter-Smalltalk beim Bäcker glänzen zu können, hier eine kurze Erklärung, wie es dazu kam :-)

Zwei Hauptakteure auf der Wetterkarte waren für den markanten Kaltlufteinbruch verantwortlich: Hoch MAXINE über dem Atlantik, das sich von Grönland bis zur Biskaya erstreckt, und Tief WERNER über Fennoskandinavien. Da sich Hochs naturgemäß im Uhrzeigersinn und Tiefs genau andersherum drehen, "schaufelten" diese beiden Kumpanen wie zwei Zahnräder Polarluft aus der Arktis zu uns. Und die ist vor allem eins: ganz schön kalt! (Dem interessierten Leser sei an dieser Stelle auch das gestrige Thema des Tages empfohlen)

Wenn jetzt Winter wäre, würde diese Konstellation wohl bitterkalte Tage und vermutlich auch strahlende Augen bei Skiliftbetreibern bedeuten. Nun ist ja aber schon Mai und die Polarluft arktischen Ursprungs hat sich auf ihrem Weg übers Meer erwärmt, sodass das ganze Winterintermezzo mit angezogener Handbremse vonstattengeht - was ja aber zugegebenermaßen auch ausreicht.

Die kalte Luft hatte Freitag Norddeutschland erreicht und seitdem von Nord nach Süd allmählich unser Land "geflutet". Dabei soll nicht unerwähnt bleiben, dass diese Kaltfront anfangs nicht viel mehr als ebendiesen Temperaturfall im Gepäck hatte (sprich kaum Niederschlag, kein Wind oder andere Wetterkapriolen) und allzu schnell war sie auch nicht unterwegs. Erst in der Nacht zum Samstag, als die Kaltfront über der Mitte Deutschlands lag, hat sie Unterstützung aus höheren Luftschichten bekommen, wodurch die Niederschlagsbildung angeregt wurde. Da gleichzeitig die Polarluft die Schneefallgrenze sinken ließ, war eine weiße "Winterlandschaft" in den Mittelgebirgen die Folge. Im Sauerland und Hunsrück wurden z.B. 8 cm Neuschnee gemessen, im Vogelsberg 9 cm, in der Eifel 11 cm und im Thüringer Wald hatten Autofahrer mit Sommerreifen bei 12 cm zu kämpfen.

Aber auch in tieferen Lagen -selbst in Frankfurt!- rieselten in den Morgenstunden ein paar Schneeflocken vom Himmel, wo diese zwar nicht liegen blieben, aber dennoch für so manches Erstaunen sorgten, wartet man ja manchmal einen ganzen Winter vergeblich auf solche Momente.

Gestern Abend konnten Polarluft und Kaltfront schließlich auch bis zu den Alpen vorstoßen, wo es in der vergangenen Nacht bis in Täler schneite (meist um 10 cm). Insgesamt ist in Berchtesgaden mehr gefallen als nach Westen hin, aber auch der Allgäuer konnte in 1400 m Höhe bei über 20 cm einen großen Schneemann bauen. Mit 40 cm Neuschnee auf der Zugspitze sei es Vollblut-Wintersportfans gegönnt, ihre Kurven durch frischen Puderschnee ziehen, und dort schneit es bis Montag sogar noch weiter.

Aber Obacht! Denn der Schnee hat auch seine Tücken: Nicht nur die Lawinengefahr steigt an, sondern die schwere Last des nassen Schnees kann bei den bereits belaubten Bäumen auch zu Schneebruch führen...



© Deutscher Wetterdienst

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