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16. April 2012 | Dipl.-Met. Christian Herold

Kalter April

Es ist Mitte April und viele sehnen sich nach Sonne und Wärme. Doch
frühlingshaftes Wetter ist derzeit in Deutschland nicht zu finden.
Stattdessen ist es kühl und wolkig mit zeitweiligem Regen. Nachdem
es bereits zu Ostern bis in mittlere Lagen geschneit hat und die
Nächte frostig waren, fällt jetzt in den Mittelgebirgen und am
Alpenrand erneut Schnee. Aber auch in tieferen Lagen bleibt es mit
Temperaturen kaum über 10 °C kalt. In der kommenden Nacht wird wieder
verbreitet Frost erwartet. Bis unter -5 °C kann die Temperatur in
einigen Mittelgebirgstälern sinken. Herrschte im März noch sonniges
Hochdruckwetter mit Temperaturen über 20 °C, so hat sich die
Wetterlage jetzt komplett ins Gegenteil umgekehrt. Die
Durchschnittstemperatur im April (Mittelwert bis Mitte April) liegt
derzeit sogar 1 °C hinter dem vergangenen Märzmittel zurück.

Wer erinnert sich noch an den April 2010? Damals gab es wochenlanges
Hochdruckwetter. Die Temperaturen erreichten am Oberrhein bereits
Anfang April sommerlich Werte. In der zweiten Monatshälfte wurde dann
die 25-Grad-Marke in einem Großteil von Deutschland geknackt, sodass
der April 2010 um 4,3 °C zu warm ausfiel. Doch das schöne Wetter
hatte auch seine Schattenseiten. Es fiel nur 43 % des sonst üblichen
Monatsniederschlages, wodurch es mancherorts zu großer Trockenheit
kam.

Niederschlagsmenge April 2010
Niederschlagsmenge April 2010


Gegensätzlicher kann ein Monatsverlauf nicht sein. Doch was sind die
Ursachen dafür? Starke Gegensätze sind im April durchaus nichts
Ungewöhnliches. Während sich die Landmassen im Süden schon stärker
erwärmt haben, hält sich im Norden immer noch die Kälte des Winters.
Auch sind die Wassertemperaturen dort noch nicht all zu sehr
gestiegen. So hängt es von der vorherrschenden Luftmasse ab, ob es
sommerlich warm wird, oder ob es noch mal einen Wintereinbruch gibt.
Im letzten Jahr beeinflusste ein kräftiges Hoch Mitteleuropa. Es war
eingekeilt zwischen einem Tief über dem Atlantik und einem Tief über
Russland. Das Hoch blieb dadurch nahezu stationär liegen. Dadurch
konnte über seine Westflanke häufig subtropische Luft nach
Mitteleuropa gelangen.

Auch dieses Jahr herrscht eine stabile Wetterlage. Doch diesmal liegt
ein Tiefdruckgebiet ungewöhnlich weit südlich über Mittel- und
Südeuropa. Eingekeilt zwischen einem Russlandhoch und
Atlantikhoch bleibt seine Lage stabil. Das Tiefdruckgebiet ist
angereichert mit hochreichender Kaltluft polaren Ursprungs, womit
sich die Kälte erklären lässt.
Doch wie geht das Wetter weiter? Frühlingsfreunden kann man zunächst
nur wenig Hoffnung machen. Eine grundlegende Änderung der Wetterlage
ist zunächst noch nicht in Sicht. Nur gegen Ende April gibt es
Hoffnung. Für den Zeitraum der erweiterten Mittelfrist deuten die
meisten Wettermodelle an, dass sich der tiefe Druck westwärts
verlagern könnte und somit auf der Vorderseite deutlich wärmere Luft
Richtung Mitteleuropa strömen würde. Doch dies ist zum jetzigen
Zeitpunkt noch sehr unsicher.




© Deutscher Wetterdienst

Bild: DWD

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