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02. August 2017 | Meteorologe Hermann Kehrer

Deutschlandwetter im Juli 2017

Deutschlandwetter im Juli 2017

Datum 02.08.2017

Abwechslungsreich – mit viel Regen und örtlichen Überschwemmungen

In den ersten beiden Julidekaden lag Mitteleuropa zeitweilig unter dem Einfluss von Hochdruckgebieten, die jedoch regelmäßig von Westen heranziehenden Tiefdruckgebieten Platz machen mussten. Im Übergangsbereich gelangte häufig sehr warme oder gar heiße Luft von der Iberischen Halbinsel in den Süden und Westen Deutschlands. Nachfolgend entluden sich immer wieder schwere Gewitter mit Sturmböen, Hagel und teilweise großen Niederschlagsmengen. Der Nordosten Deutschlands verblieb dagegen meist in mäßig warmer oder kühler Luft, die sich im letzten Monatsdrittel durch Tief „Alfred“ in Verbindung mit intensivem Dauerregen vorübergehend in ganz Deutschland durchsetzen konnte. Insgesamt war der Juli ein warmer und sehr nasser Monat mit etwas zu wenig Sonnenschein. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2000 Messstationen.

Deutschlandwetter im Juli - viel Regen
Deutschlandwetter im Juli - viel Regen


Im Süden recht warm, im Norden eher mäßig warm
Der Juli verlief mit 18,1 Grad Celsius (°C) um 1,2 Grad wärmer gegenüber der internationalen Referenzperiode 1961 bis 1990. Die Abweichung zur Vergleichsperiode 1981 bis 2010 betrug +0,1 Grad. Teilweise herrschten große Temperaturunterschiede in Deutschland. So meldeten Itzehoe und Hamburg insgesamt nur zwei Sommertage mit Temperaturen über 25 °C. In Waghäusel-Kirrlach, südlich von Mannheim, Ohlsbach bei Offenburg und in Regensburg gab es dagegen neun sog. Heiße Tage mit Werten über 30 °C. Die höchsten Temperaturen meldeten Saarbrücken-Burbach am 6. und Sachsenheim, nördlich von Stuttgart, am 19. mit jeweils 35,6 °C. Die niedrigsten Temperaturen meldete in der Nacht zum 14. die Messstelle Deutschneudorf-Brüderwiese im Erzgebirge mit 3,5 °C – dabei trat sogar geringer Bodenfrost auf.

Verbreitet große Niederschlagsmengen – örtlich mit Überschwemmungen

Mit bundesweit rund 130 Litern pro Quadratmeter (l/m²) erreichte der Juli 163 Prozent seines Solls von 78 l/m². Damit gehört er zu den zehn niederschlagsreichsten Julimonaten seit Messbeginn 1881. Die ersten beiden Dekaden verliefen sehr abwechslungsreich. Kurze trockene Abschnitte gingen meist mit heftigen Gewittern zu Ende. Diese brachten oft Sturmböen, Hagelschlag und extreme Niederschläge, wie in Friedrichshafen-Unterraderach am Bodensee am 8. mit 123 l/m². Das letzte Drittel wurde geprägt von Tiefdruckgebieten. So brachte die Großwetterlage „Tief Mitteleuropa“, insbesondere Tief „Alfred“, vom 24. bis zum 26. Dauerregen über dem südlichen Niedersachsen und Thüringen: An der Eckertalsperre im Harz fielen 302 l/m² innerhalb 72 Stunden. Zahlreiche andere Messstellen meldeten neue Monatsrekorde. In der Folge traten viele Bäche und Flüsse über die Ufer und überschwemmten Innenstädte und Dörfer.

Sonnenscheinbilanz knapp normal

Dem Sonnenschein fehlten mit rund 195 Stunden lediglich 6 Prozent zu seinem Soll von 212 Stunden. Am meisten schien die Sonne in einem Streifen vom Bodensee bis nach Passau - örtlich etwa 250 Stunden. Dagegen war Sonne im Weserbergland und im Harz mit teilweise unter 150 Stunden Mangelware.

Hier finden Sie die wärmsten, trockensten und sonnigsten Orte in Deutschland im Juli 2017 aus ersten Auswertungen der Ergebnisse von rund 2000 Messstationen des DWD.

Die wärmsten, trockensten und sonnigsten Orte in Deutschland - Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Juli 2017* 1. Platz Waghäusel-Kirrlach (BW) 21,3 °C Abweich. +1,8 Grad 2. Platz Bad Dürkheim (RP) 21,2 °C Abweich. +2,5 Grad 3. Platz Lahr (BW) 21,0 °C Abweich. +1,4 Grad

Besonders kalte Orte im Juli 2017* 1. Platz Kahler Asten (NW) 14,2 °C Abweich. +1,5 Grad 2. Platz Carlsfeld (SN) 14,8 °C Abweich. +2,0 Grad 3. Platz Neuhaus am Rennweg (TH) 14,9 °C Abweich. +1,6 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Juli 2017** 1. Platz Eckertalsperre (NI) 413,3 l/m² 490 Prozent 2. Platz Kreuth-Glashütte (BY) 398,4 l/m² 160 Prozent 2. Platz Aschau-Stein (BY) 398,4 l/m² 155 Prozent

Besonders trockene Orte im Juli 2017** 1. Platz Schmidmühlen (BY) 49,3 l/m² 74 Prozent 2. Platz Bad Dürkheim (RP) 49,9 l/m² 93 Prozent 3. Platz Schwandorf (BY) 50,0 l/m² 66 Prozent

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Juli 2017** 1. Platz Konstanz (BW) 245 Stunden 100 Prozent 2. Platz Passau-Fürstenzell (BY) 245 Stunden 106 Prozent 3. Platz Nürnberg (BY) 240 Stunden 102 Prozent

Besonders sonnenscheinarme Orte im Juli 2017** 1. Platz Braunlage (NI) 146 Stunden 75 Prozent 2. Platz Bückeburg (NI) 149 Stunden 83 Prozent 3. Platz Brilon-Thülen (NW) 150 Stunden 85 Prozent

Bergstationen oberhalb 920 m NN sind hierbei nicht berücksichtigt.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatswertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:

Einen ausführlichen Monatsüberblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter http://www.dwd.de/presse.



© Deutscher Wetterdienst

Bild: © Rüdiger Manig / DWD

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