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05. März 2017 | Dipl.-Met. Marcus Beyer

Frühling für einen Tag

Frühling für einen Tag

Datum 05.03.2017

Höchstwerte bis 20 Grad und Frühlingsgefühle haben den gestrigen Samstag geprägt. Wie es dazu kam und was der Föhn damit zu tun hat liefert das heutige Tagesthema mit allen wichtigen Zahlen.

"Was war das doch gestern für ein toller Frühlingstag" mag der eine oder andere denken, wenn er heute aus dem Fenster schaut. Und tatsächlich fühlte man sich gestern angesichts der Höchstwerte um mehr als einen Monat in die Zukunft versetzt. Vögel zwitscherten, Krokusse und Narzissen öffneten die Blüten und auch die ersten Bienen und Zitronenfalter sonnten sich auf den verschiedenen Frühblühern. Gewiss ... nicht überall war es gestern sonnig und mild. Im Norden von Schleswig- Holstein wurden gerade einmal 8 Grad erreicht. Dennoch, die große Mehrheit der Deutschen kam in den Genuss von 15 bis 20 Grad.



Aber wie kam es eigentlich dazu? Schauen wir zunächst auf die Großwetterlage. Über Westeuropa befand sich am gestrigen Samstag ein umfangreiches und kräftiges Tief, das weit nach Süden bis in den westlichen Mittelmeerraum reichte. Mit der um ein Tief entgegen des Uhrzeigersinns strömenden Luftbewegung, wurden sehr warme Luftmassen aus Süden nach Deutschland transportiert. Vor allem in Österreich war auch ein wenig Saharastaub mit dabei.

Am wärmsten ist es am gestrigen Tage vor allem an den Nordhängen der Alpen und auch Mittelgebirge geworden. Das ist nicht weiter überraschend. Mit der südlichen Anströmrichtung kam nämlich gestern ein weiterer Effekt zum Tragen: Der Föhn. Dabei handelt es sich um einen trockenen und warmen Fallwind im Lee der Berge (also auf der windabgewandten Seite). Mit der südlichen Strömung staut sich die Luft auf der windzugewandten Seite (Luv) und da sie nirgendwo anders hin kann, beginnt sie aufzusteigen. Es bilden sich Wolken aus denen Regen oder Schnee fällt. Die Luft kühlt sich beim Aufsteigen ab, mit Wolkenbildung und damit Sättigung allerdings weniger schnell. Wenn die Luft den Alpenkamm überquert hat, beginnt sie nach unten zu fallen (sie ist durch Abkühlung deutlich schwerer als die sie umgebende Luft). Dadurch lösen sich die Wolken auf und die Luft beginnt sich zu erwärmen. Das geht durch die nicht mehr vorhandene Sättigung deutlich schneller, als die Abkühlung auf der gesättigten Luvseite. Als Ergebnis erreicht die Luft die Täler als warmer Fallwind.



Klassisch und auch am eindrucksvollsten ist der Föhn durch die Überströmung der Alpen, aber auch im Lee der Mittelgebirge lässt sich dieser durchaus wiederfinden und sorgt dafür, dass die Höchstwerte gut und gerne 1 bis 3 Grad über denen der umliegenden Stationen liegen. Die höchsten Werte wurden dennoch in Bayern gemessen. In Wielenbach zeigte das Quecksilber ein Maximum von 20.4 Grad an, in Rosenheim und Schwandorf waren es noch 19.7 Grad. Dass es noch etwas wärmer geht, zeigten zahlreiche Stationen in der Schweiz und in Österreich. Der absolute Spitzenwert wurde in Wien (Marienbrunn) mit 22.2 Grad gemessen. Da ließ es sich mit T-Shirt und einem Eis gut aushalten.

Die Kehrseite des starken Föhns sind die enormen Windgeschwindigkeiten, die damit erreicht werden. Durch den Anstau der Luftmassen auf der Leeseite der Berge herrscht dort ein Luftdrucküberschuss (Luvhoch) und auf der windabgewandten Seite ein Defizit (Leetief). Je stärker die Luftdruckgegensätze sind, desto kräftiger weht der Föhn. Gestern wurde an den Alpen immerhin ein Druckgegensatz von zum Teil mehr als 16 hPa gemessen! Die höchsten Windgeschwindigkeiten wurden natürlich auf den Berggipfeln erreicht. Auf der Zugspitze gab es Windgeschwindigkeiten bis 174 km/h! Schaut man sich die Messnetze der Österreicher und Schweizer, so findet man zahlreiche Meldungen von Orkanböen. In der Schweiz wurde auf dem Gornergrat die stärkste Böe von 181 km/h gemessen. In Österreich war es der Patscherkofel, der mit 161 km/h die höchste Windgeschwindigkeit registrierte. Abseits des offiziellen Messnetzes hat dort eine Lawinenstation der ÖBB eine Böe von knapp 200 km/h gemessen. Das deutet darauf hin, dass es lokal durchaus noch höhere Geschwindigkeiten gab.

Aber nicht nur auf den Bergen, auch in den klassischen Föhntälern hat der Wind heftig geweht. Es sei beispielhaft das Alpenrheintal herausgenommen. Das ist der Abschnitt des Rheins, der vom Alpenkamm über Chur, Vaduz und Lustenau bis zum Bodensee reicht. In Vaduz wurde eine Höchstgeschwindigkeit von 111 km/h gemessen und in Altenrhein knapp südlich des Bodensees gab es sogar volle Orkanstärke mit 122 km/h. Zusammengenommen war es also ein kräftiges und nicht alltägliches Föhnereignis, das auch zahlreiche Schäden vor allem in Österreich verursacht hat. Bei dieser Frühlings-Eintagsfliege bleibt es aber zunächst ersteinmal. Schon heute liegen die Höchstwerte deutlich niedriger und auch in den kommenden Tagen sieht es eher nasskalt als frühlinghaft auf. Einzig am Freitag kann sich nochmal kurz der Frühling zeigen. Man sollte sich in jedem Fall davor hüten schon jetzt die Winterreifen abzuziehen ... es ist halt doch erst Anfang März.



© Deutscher Wetterdienst

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