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02. März 2017 | Dipl.-Met. Julia Fruntke

Aprilwetter im März - Warum es derzeit in Deutschland so stürmisch zugeht

Aprilwetter im März - Warum es derzeit in Deutschland so stürmisch zugeht

Datum 02.03.2017

Und wieder stürmt es in Teilen Deutschlands! Nach Sturmtief THOMAS (23.02.2017) und den ersten kräftigen Gewittern mit orkanartigen Böen am Abend des Rosenmontags (27.02.2017) durch Tief UDO II zieht am heutigen Donnerstag (02.03.2017) Tief WILFRIED mit einem breiten Sturmfeld über Deutschland hinweg.

Das Tief WILFRIED bildete sich in der Nacht zum Mittwoch südwestlich von Irland als Randtief eines umfangreichen Tiefkomplexes vor Norwegen. Es zog sodann zunächst über den Ärmelkanal nach Nordfrankreich und erreichte heute Morgen Norddeutschland. Der Höhepunkt der Tiefentwicklung wird heute Nachmittag etwa über Nordpolen erwartet.


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Der eine oder andere mag sich fragen, warum es in Mitteleuropa derzeit so stürmisch ist? Die Ursache für die aktuelle Aneinanderreihung der Tiefdruckgebiete, die vom Atlantik kommend über Mitteleuropa ziehen, ist in der Druckverteilung zu suchen: Über weiten Teilen des Nordatlantiks herrscht tiefer Luftdruck vor, während ein kräftiges Azorenhoch dagegenhält. Dadurch ergibt sich über dem Nordatlantik ein starker Luftdruckgradient, was anhand der dichten Drängung der Isobaren (Linien gleichen Luftdrucks) erkennbar ist. Die Schwankungen der Luftdruckverhältnisse zwischen dem Azorenhoch und dem Islandtief werden durch die sogenannte "Nordatlantische Oszillation" (NAO) beschrieben. So gibt es einen Index, der genau diese Stärke der Luftdruckdifferenz angibt und somit ein Indiz für die Intensität der Westwinddrift ist: der sogenannte "NAO-Index". Bereits seit der letzten Februardekade ist der NAO-Index positiv und liegt fast bei eins. Eins ist kein hoher Wert, es geht noch höher, jedoch deuten positive Werte auf ein stark ausgebildetes Azorenhoch und ein ebenso kräftiges Islandtief hin. Gleichfalls sind hohe Index-Werte mit einer intensiven nordatlantischen Westdrift verbunden.

In diese Westwindzone ist sogleich auch die Frontalzone eingebettet. Das ist der Bereich, in dem sich bevorzugt Tiefdruckgebiete entwickeln. Diese Frontalzone reicht derzeit vom nahen Ostatlantik über Deutschland hinweg nach Südosteuropa. So ist es nicht verwunderlich, dass ein Tief nach dem anderen über unsere Köpfe hinwegrauscht.

Kräftige Tiefentwicklungen gehen im Allgemeinen mit starkem Wind einher. So war und ist diese Begleiterscheinung auch heute wieder das große Thema. In den Frühstunden erreichte das Starkwindfeld des Tiefs WILFRIED zunächst den Westen des Landes. Aktuell beeinflusst das Tief mit dem stärksten Wind die Mitte Deutschlands. Verbreitet meldeten Stationen im Flachland von NRW und Rheinland-Pfalz, über das südliche Niedersachsen bis nach Hessen, Thüringen und Sachsen-Anhalt Sturmböen (Nörvenich: 90 km/h, Gießen und Erfurt: 87 km/h). Die höchste Böe wurde bis heute 9 Uhr in Düsseldorf mit 91 km/h gemessen. Bergstationen blieben hierbei unberücksichtigt.

Obwohl WILFRIEDS Einfluss auf Deutschland allmählich nachlässt, muss bis zum späten Nachmittag vor allem noch in der östlichen Mitte - von Thüringen und Sachsen-Anhalt über Brandenburg und Sachsen bis nach Nordbayern - mit Sturmböen (65-85 km/h), regional schweren Sturmböen (bis 100 km/h) und vereinzelt mit orkanartigen Böen (um 110 km/h) gerechnet werden. Grund dafür ist ein scharf ausgeprägter Bodentrog (siehe DWD-Lexikon), der in einiger Entfernung der Kaltfront des Tiefs folgt. Aufgrund der hinter dem Tief eingeflossenen kalten Höhenluft ist die Atmosphäre auf der Rückseite der Kaltfront nun labil geschichtet. Das heißt, die Temperatur kühlt sich mit der Höhe rasch ab. So ist es möglich, dass die hohen Windgeschwindigkeiten, die derzeit zwischen 600 und 800 Meter Höhe herrschen, in kräftigen Schauern oder Gewittern bis zum Boden heruntergemischt werden und Schäden anrichten können. Es ist also Vorsicht geboten, wenn Sie sich im Freien aufhalten. Die Grafik zeigt die vorhergesagten Windgeschwindigkeiten in 600 bis 800 Meter Höhe am heutigen Donnerstagmittag. Zur Vereinfachung sind farblich nur Windgeschwindigkeiten über etwa 60 km/h dargestellt. Die Windfiedern sind in Knoten widergegeben (1 voller Strich = 10 Knoten, 1 Fähnchen = 50 Knoten = 100 km/h).

Nach Durchzug des Troges setzt sich rasch Wetterberuhigung durch. Ein Zwischenhoch sorgt am Freitag für freundliches Wetter in weiten Teilen Deutschlands mit Höchstwerten von 7 Grad auf den Nordseeinseln und 15 Grad am Oberrhein. Mit einsetzendem Föhnsturm sind im Alpenvorland lokal 17 Grad möglich.

Wenn Sie heute die "Spitzenreiter" erwartet haben, müssen wir Sie aufgrund der aktuellen Wetterlage auf den morgigen Freitag vertrösten.



© Deutscher Wetterdienst

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