Facebook Twitter
Drucken
27. April 2015 | Dipl.-Met. Tobias Reinartz

"Wenn der Hahn kräht auf dem Mist..."

Die Technik macht's möglich: Dank des Internets ist es einem möglich, von und für nahezu jeden Ort der Welt jederzeit eine Wettervorhersage einzuholen.

Auch sonst wird man durch Rundfunk und Zeitungen wettertechnisch immer auf dem Laufenden gehalten. Daran war früher natürlich nicht zu denken. Da die Menschen und insbesondere die Landwirtschaft damals wohl mindestens genauso vom Wetter abhängig waren wie heute, wurde versucht, mit gezielten und zum Teil langjährigen Beobachtungen des Wetters, den weiteren Ablauf desselben vorherzusagen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse wurden schließlich oftmals in Reimform niedergeschrieben und sind uns als sogenannte Bauernregeln bekannt.

Viele Bauernregeln beziehen sich auf Lostage
Viele Bauernregeln beziehen sich auf Lostage


Auch wenn ihr Eintreten bei wortwörtlicher Betrachtung häufig sehr
stark mit dem Wörtchen "Zufall" in Verbindung steht, besitzen sie
doch oftmals einen wahren Kern, vor allem, wenn man die Regeln etwas
freier deutet.
Nehmen wir uns zum Beispiel mal die Siebenschläferregelung vor: "Das
Wetter am Siebenschläfertag noch sieben Wochen bleiben mag.". Würde
man jedes Wort davon auf die Goldwaage legen, so müsste man also
annehmen, dass auf einen sonnigen und trockenen 27. Juni ebenso
sonnige und trockene sieben Wochen folgen. Natürlich kann man aber
das Wetter der nächsten Wochen nicht an einem bestimmten Tag
festmachen. Nimmt man diese Regel allerdings ein bisschen lockerer
und betrachtet den Wettercharakter zwischen Ende Juni und Anfang
Juli, so liegt die Trefferquote - zumindest für die nächsten drei bis
vier Wochen - im Norden Deutschlands bei bis zu 60 %, im Alpenvorland
sogar bei etwa 70 %.
Ähnlich verhält es sich mit den Eisheiligen und der Schafskälte: Hält
man sich nicht allzu eng an den offiziellen Zeitraum, so gibt es auch
hierbei eine erhöhte Eintrittswahrscheinlichkeit.


Doch wie steht es denn eigentlich mit zwei der wohl bekanntesten
Bauernregeln: "Abendrot, gut Wetterbot." und "Morgenrot, schlecht
Wetter droht."? Vor allem erstere "Behauptung" scheint mit der
besonders in der Schifffahrt bekannten Regel "Abendrot macht Seemann
tot." in eindeutigem Widerspruch zu stehen. Aber so komisch es auch
klingen mag: Beide Thesen sind nicht vollkommen von der Hand zu
weisen. Auf den "Rot-Ton" kommt es nämlich an.

Zur Erklärung ein kurzer physikalischer Exkurs: Das Licht der Sonne
setzt sich aus Strahlung unterschiedlicher Wellenlängen zusammen, von
der unser Auge nur einen geringen Anteil sehen kann. Dieser für uns
sichtbare sogenannte Spektralbereich setzt sich aus den
Regenbogenfarben zusammen, wobei Rot den langwelligen und Blau den
kurzwelligen Wellenlängenanteil darstellen. Das Sonnenlicht wird nun
an den in unserer Atmosphäre vorhandenen Partikeln (z.B.
Wasserdampfteilchen) gestreut, d.h. es spaltet sich in die einzelnen
Wellenlängenbereiche auf. Dabei wird der blaue Anteil stärker
gestreut und somit auch stärker abgelenkt, als die rote langwellige
Strahlung.
Steht die Sonne nun relativ niedrig über dem Horizont (bei uns
morgens und abends), so fällt auch ihre Strahlung entsprechend flach
auf uns ein. Durch die starke Ablenkung ihres kurzwelligen Anteils
(blau) kommt nur ihr roter Anteil bei uns an. Folglich sieht der
Himmel für uns rötlich aus. Je feuchter nun die Luft ist, desto mehr
Wasserdampfteilchen, also Streupartikel, befinden sich in ihr.
Dadurch wird der Blauanteil noch mehr gestreut und der Himmel
erscheint uns in einem tieferen Rot. Da feuchte Luft eher zur Wolken-
und damit auch zur Niederschlagsbildung neigt, kann ein tiefrotes
Himmelsbild durchaus ein Indiz für baldigen Regen sein. Ist die Luft
dagegen trocken, erscheint der Himmel aufgrund mangelnder
Streupartikel dagegen weniger rot und die Wahrscheinlichkeit für
"Nass von oben" ist etwas geringer als bei feuchter Luft.

Unter dem Strich sind Bauernregeln aber eher nicht dazu geeignet,
verbindliche Wettervorhersagen zu machen. Ein wahrer Kern lässt sich
allerdings oftmals nicht leugnen. Mit 100 %-iger Sicherheit lässt
sich wohl nur sagen, dass es egal ist, wer oder was, wann und wo
kräht. Denn dann - um die Überschrift dieses Textes zu komplettieren
- "ändert sich's Wetter oder es bleibt, wie's ist".


© Deutscher Wetterdienst

Bild: © TTstudio - Fotolia.com