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15. Juni 2014 | Dipl.-Met. Lars Kirchhübel

Viel Regen und große Schäden im sonnenverwöhnten WM-Land

Heftige Regenfälle führten in vielen Regionen Brasiliens zu Überschwemmungen und großen Schäden.

Wie der Spiegel schon berichtete, zeigt sich das Wetter vor allem an der Atlantikküste sowie im südlichen Bereich Brasiliens derzeit nicht von seiner sonnigen Seite. Stattdessen sorgten unwetterartige Niederschläge für Überschwemmungen und Erdrutsche, denen 13 Menschen zum Opfer fielen. Betroffen waren dabei dem Spiegel zur Folge besonders die Bundesstaaten Paraná, Santa Carina und Rio Grande, in denen die WM-Orte Curitiba und Porto Alegre liegen. Insgesamt sollen bis zu 200 Städte von den Wassermassen betroffen sein. Die Folge waren Flugverspätungen, Staus und Stromausfälle.

Innerhalb von 24 Stunden fielen von Paraguay bis zur südlichen
Atlantikküste Brasiliens verbreitet zwischen 50 und 90 Liter pro
Quadratmeter Regen. Die Station am Flughafen Guarani meldete z.B. bis
Samstagmittag im Verlauf eines Tages 79 l/qm. Allerdings hielten die
Niederschläge in einer abgeschwächten Form bis zum heutigen Morgen
an, sodass sich dort die Regenmengen noch weiter erhöhen konnten.


Aber auch an der nördlichen Atlantikküste rund um den WM-Ort Natal
regnete es zeitweise in Strömen, was man auch bei dem Spiel zwischen
Kamerun und Mexiko sehen konnte. Länger anhaltender Regen, der
zeitweise von kräftigen Schauern und Gewittern durchsetzt war, führte
auch dort zu teils chaotischen Verhältnissen. Fluten und Erdrutsche
blockierten dabei wichtige Zugangs- und Küstenstraßen.

Im Vergleich zu den südlichen Regionen fielen zwischen den
Küstenorten Belem und Recife noch deutlich höhere Regenmengen.
Zwischen Freitagmittag und Samstagmittag wurden am Flughafen von
Natal extreme 105 Liter pro Quadratmeter gemessen. Auch in der
Umgebung wurden verbreitet zwischen 40 und 80 l/qm beobachtet.

Doch wie kam es zu diesen unwetterartigen Niederschlägen im WM-Land
Brasilien?


Zum Vergrößern bitte klicken
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Für die heftigen Regenfälle im Süden von Brasilien sind die
herrschenden Luftdruckgegensätze verantwortlich. Zwischen einem
ausgeprägten Hoch über dem westlichen Südatlantik und hohem Luftdruck
über Argentinien konnte sich eine schmale Tiefdruckrinne ausbilden
(siehe Graphik oben). Eingebettet in
diese war ein quasistationärer Tiefausläufer, der die Tiefs über
Paraguay und östlich der-Falkland Inseln verbindet. Durch die
Drehrichtung der Hochs auf der Südhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn
führte das Atlantikhoch die Luft in südwestliche Richtung, während
das Hoch über Argentinien sie in nordöstliche Richtung
transportierte. Auf einem eng begrenzten Gebiet von Paraguay bis zur
südlichen Atlantikküste Brasiliens strömten die Luftmassen zusammen
und wurden somit zum Aufsteigen gezwungen. Durch die Abkühlung der
Luft mit der Höhe bilden sich hochreichende Wolken. Die Folge waren
kräftige Schauer und Gewitter (siehe Graphik).

Im Nordosten Brasiliens in der Region um Natal zeigt sich dagegen die
Innertropische Konvergenzzone (ITC, tropische Tiefdruckrinne) für die
heftigen Regenfälle verantwortlich. An dieser strömen der
Nordost-Passat und der Südost-Passat zusammen, sodass auch dort die
Luft aufsteigen muss. Am Freitag und Samstag wurden diese
Entwicklungen durch das sehr ausgeprägte Hoch über dem südlichen
Atlantik zusätzlich verstärkt. Auch der Reibungseffekt an der Küste
ist ein weiterer Einflussfaktor. Trifft feuchtwarme Luft auf die
Küste wird diese in einem gewissen Maße durch das Festland ebenfalls
gehoben. Alle Voraussetzungen zusammen führten in diesem Fall für
starke und länger anhaltende Aufwinde, die den schauerartig
verstärkten Regen begünstigten (siehe ebenfalls Graphik).

Doch schon heute klingen die Niederschläge überall deutlich ab.
Während sich die Tiefdruckrinne im Süden auffüllt und sich der
Tiefausläufer gleichzeitig auf den Atlantik verlagert, verschiebt
sich im Norden die ITC weiter in nordöstliche Richtung weg von der
brasilianischen Küste. Bis Montag muss sowohl zwischen Amazonasdelta
und Recife als auch im Umfeld von Curitiba und Porto Alegre nur noch
mit einzelnen Schauern gerechnet werden, die aber keine größeren
Niederschläge bringen sollten. Vor allem in Zentralbrasilien (auch
Raum Manaus) wird es sogar weitgehend trocken bleiben.



© Deutscher Wetterdienst

Bild: DWD