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13. Juni 2013 |

30°C und mehr - gibt's das noch?

Ist Ihnen - liebe Leserinnen und Leser - eigentlich schon aufgefallen, dass es in diesem Jahr noch keinen Tag mit 30°C oder mehr in Deutschland gegeben hat - zumindest nicht auf Basis der Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes?

Rollt die erste Hitzewelle heran?


Zugegeben, in den letzten Tagen und Wochen sorgte - leider - ein
anderer meteorologischer Parameter für reichlich Schlagzeilen, so
dass die Temperaturentwicklung ein bisschen an den Rand der
öffentlichen Wahrnehmung geriet. Da die Atmosphäre aber aktuell dabei
ist, die "thermischen Messer zu wetzen" und die Weichen hin zu einer
ersten Hitzephase zu stellen, erfordert es schon die
Chronistenpflicht, die zugehörigen Fakten an dieser Stelle
vorzustellen.

Bevor der Blick dabei nach Vorne geht, zunächst mal ein paar Daten
aus der jüngsten Vergangenheit (Messnetz des DWD): Der wärmste Ort im
April 2013 war Dresden-Strehlen mit 28,1°C, gemessen am 18. des
Monats. Im Mai konnte Berlin-Tegel die Pole-Position einnehmen mit
28,8°C (17.5.), während im bisherigen Verlauf des Junis Rheinfelden
unweit der deutsch-schweizer Grenze mit 28,9°C das Maximum zu bieten
hat. Im Vergleich zur Vergangenheit ist das ziemlich mager, gab es
doch in einigen Jahren bereits in der letzten Aprildekade die ersten
Tage mit 30°C oder mehr.

Jetzt ist es aber soweit (einige werden "endlich" sagen, andere
"leider"), die Natur nimmt Fahrt auf. Bereits am heutigen Donnerstag
ist nicht ganz auszuschließen, dass irgendwo in Süddeutschland die
30-Grad-Marke angekratzt wird - ganz vereinzelt und wenn überhaupt
auch nicht wesentlich darüber. Danach folgt erst noch mal die
Kaltfront von Tief JÖRN, die kühlere Atlantikluft herantransportiert,
welche uns - im Norden mehr als im Süden - bis in das kommende
Wochenende hinein beschäftigt. Am Sonntag erfolgen dann aber
ernsthafte Anstrengungen der Atmosphäre, eine Umstellung der
Großwetterlage einzuleiten.

Entscheidend für unseren Raum ist die Tatsache, dass wir zwischen
tiefen Luftdruck über West- und Südwesteuropa und ein Hoch über dem
östlichen Mitteleuropa gelangen. Zwischen diesen Druckgebilden stellt
sich eine langgestreckte südliche Strömung ein, mit der heiße Luft
aus Nordwestafrika über den Mittelmeerraum und die Alpen bis nach
Deutschland transportiert wird. In dieser tropisch anmutenden
Luftmasse steigt die Temperatur in Süddeutschland am Montag auf 30
bis 34°C, lokal vielleicht sogar auf 35°C, während man sich im Norden
zunächst noch mit Werten diesseits der 30°C "begnügen" muss. Das
könnte sich aber bereits am Dienstag ändern, wenn nämlich die heiße
Luft weiteren Boden nach Norden hin gutmacht. Dann könnte - eine
ablandige Windkomponente vorausgesetzt - sogar unmittelbar an der
Küste die 30-Grad-Marke gerissen werden. Im Binnenland sollte das
größtenteils kein Problem sein, vielmehr stellt sich dort die Frage,
ob nicht sogar die 35-Grad-Marke überschritten wird. Nach den
aktuellen Rechnungen verschiedener Wettercomputer stehen die Chancen
gar nicht mal so schlecht, dass in Süd- und Ostdeutschland sowie in
Teilen der Mitte vielerorts 35, 36 oder 37°C, vereinzelt sogar 38°C
erreicht werden.

Stellt sich natürlich die Frage, für wie lange uns diese Bullenhitze
auf die Pelle rückt. Eine klare Antwort muss der Verfasser an dieser
Stelle zwar schuldig bleiben, da der Vorhersagezeitraum im Laufe der
nächsten Woche allmählich aus der für gewöhnlich belastbaren
Zeitskala herausläuft. Es deutet sich aber an, dass die Hitzeglocke
nicht allzu zu lange über Deutschland thront. Weiter westlich liegt
schon wieder kühlere Atlantikluft auf der Lauer, bereit, die heiße
Tropikluft nach Osten abzudrängen. Ob das erst am Donnerstag der Fall
ist oder schon am Dienstag einsetzt, steht noch nicht fest.
Allerdings ist zu befürchten, dass der Luftmassenwechsel mit Pauken
und Trompeten vonstatten geht, will heißen, von kräftigen Gewittern
begleitet wird. Für Details ist es aber noch zu früh, wir werden
sehen...

Dipl.-Met. Jens Hoffmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.06.2013

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



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